Hochbegabung in der Kita fördern: Praxisnahe Tipps für Erzieher und Erzieherinnen

Hochbegabung zeigt sich schon im Vorschulalter. In der Kita bedeutet das: Kinder bringen andere Fragen, ein anderes Tempo und besondere Ideen mit, die den Alltag bereichern, aber auch herausfordern können.

Manche Kinder diskutieren beim Frühstück über den Urknall, andere entwerfen beim Bauen im Nu kreative Konstruktionen. Diese Neugier und Lebendigkeit bleiben jedoch nur erhalten, wenn die Umgebung genügend Freiraum bietet, um Interessen zu vertiefen – und zugleich Halt gibt.

Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte ist es daher, einen Rahmen zu schaffen, in dem hochbegabte Kinder gefördert werden und der ihnen Sicherheit vermittelt.

Räume, die mehr können

Auch wenn sich an den baulichen Gegebenheiten einer Kita selten sofort etwas ändern lässt, reichen oft kleine Anpassungen, um einen Raum begabungsfreundlicher zu gestalten. Ecken, die unterschiedliche Spiel- und Lernformen ermöglichen, wie zum Beispiel eine Bauecke, ein „Forschertisch“, eine Lese- oder Musikecke oder eine „Schulecke“, geben hochbegabten Kindern Möglichkeiten, ihren Interessen zu folgen. Davon profitieren zugleich alle Kinder, weil vielfältige Lernanreize auch ihre Neugier und Kreativität anregen können.

    Räume flexibel nutzen
  • Vielfältige Bereiche schaffen
  • Rückzugsorte anbieten
  • Reizarme Gestaltung

Genauso wichtig sind Rückzugsorte. Ein Tipi, ein kleines Spielhaus oder eine abgetrennte Sofaecke können wie eine kleine Insel wirken, auf der ein Kind kurz abschalten darf. Gerade Kinder, die viele Reize gleichzeitig aufnehmen, brauchen solche Inseln, um neue Eindrücke zu sortieren. Damit der Rückzugsbereich nicht zum beliebten Spielplatz für alle wird, hilft eine klare Absprache mit der Gruppe.

Zu viele Farben, ständig wechselnde Deko oder übervolle Wände können schnell zur Reizüberflutung führen. Wer Bastelarbeiten oder Zeichnungen an einem ruhigeren Ort ausstellt – etwa im Flur statt im Gruppenraum, schafft visuelle Ruhe und ermöglicht Konzentration.

Material, das inspiriert

Auch die Auswahl der Materialien macht einen Unterschied. Hochbegabte Kinder profitieren von Angeboten, die etwas mehr fordern, ohne zu überfordern. Das können Denk- und Strategiespiele sein, Puzzles mit vielen Teilen, Magnet- und Konstruktionsspiele oder Lernsysteme. Auch Knobelspiele, Sudokus, Rechen- und ABC-Spiele oder kindgerechte Experimentierkästen bringen frische Impulse.

Wer die Natur einbezieht, zum Beispiel mit Becherlupen, Bestimmungskarten oder kleinen Sammlungsboxen, eröffnet zudem ein Lernfeld, das Bewegung, Beobachtung und Wissen verbindet. Solche Materialien lassen sich auch gut in kleine Projekte einbetten: ein Insekten-Forscherbuch im Sommer, eine Murmelbahn-Challenge an Regentagen oder ein Schach-Workshop für Kinder, die Lust auf strategisches Denken haben.

In der Praxis zeigt sich, dass viele Kitas bereits über eine gute Grundausstattung verfügen. Fundiertes Wissen über Hochbegabung unterstützt dabei, Materialien gezielt auszuwählen und bewusst zu platzieren.

    Anregendes Material bereitstellen
  • Spiele mit Selbstkontrolle
  • Knobel- und Forscherspiele
  • Materialien für vertieftes Lernen (Enrichment)
  • Natur & Wissenschaft erlebbar machen

Abwechslung statt Überangebot

Eine prall gefüllte Spielecke wirkt nicht automatisch anregend. Hochbegabte Kinder brauchen zwar Herausforderungen, aber auch eine klare Auswahl. Materialien im Wechsel anzubieten, schafft Raum für Fokus und macht Lust auf Neues. Dabei können Angebote in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen helfen, um individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen.

  • Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bereithalten, auch über das übliche Kita-Alter hinaus
  • Projekte oder kleine Forschereinheiten anbieten, die den Interessen einzelner Kinder folgen

Die richtige Balance finden

Hochbegabung in der Kita zu fördern heißt nicht, ständig „mehr“ anzubieten. Entscheidend ist vielmehr, Räume flexibel zu gestalten, Materialien bewusst auszuwählen und eine Balance zwischen Anregung und Ruhe zu schaffen. So erhalten hochbegabte Kinder die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu entfalten – und bewahren zugleich die Freude am Lernen, Spielen und dem Miteinander.

Die Kleine Füchse Raule-Stiftung fördert bundesweit die Teilnahme an der dreitägigen Online-Fortbildung zur Begabungspädagogischen Fachkraft. Dort erhalten Erzieherinnen und Erzieher fundiertes Wissen und praxisnahe Impulse, um hochbegabte Kinder im Kita-Alltag sicher zu erkennen und gezielt zu fördern. Die Fortbildung schließt mit einem Zertifikat ab und wird für eine Fachkraft pro Einrichtung unterstützt. Hier erfahren Sie mehr über die Fortbildung.