Hochbegabte Kinder in der Gruppe: Zugehörigkeit und Unterschiede

Jonas sitzt mit drei anderen Kindern in der Bauecke. Sie bauen einen hohen Turm, lassen Autos hindurchfahren und lachen, als einer der Türme umfällt. Jonas lacht mit, baut ihn wieder auf und ist mittendrin.

In seinem Kopf entstehen währenddessen längst andere Welten: Könnte unter dem Turm ein Tunnel verlaufen? Wie müsste eine Brücke gebaut sein, damit sie das Gewicht hält? Und könnte man die ganze Stadt so verbinden, dass jedes Haus erreichbar ist? Jonas sagt nichts davon. Er spielt einfach weiter.

Er gehört dazu, daran besteht kein Zweifel. Er mag die anderen Kinder und sie mögen ihn. Nur mit seinen Gedanken ist er in diesem Moment ein Stück allein.

Hochbegabung bedeutet nicht automatisch soziale Schwierigkeiten

Wenn wir an hochbegabte Kinder denken, die sich „anders“ fühlen, entsteht schnell ein bestimmtes Bild: ein Kind, das auffällt, andere Interessen hat, anders spricht, lieber mit Älteren spielt oder in der Gruppe aus dem Rahmen fällt. Ein Kind also, dessen Anderssein auch von außen sichtbar ist.

Doch so eindeutig ist es oft nicht. Viele hochbegabte Kinder sind gut integriert. Sie spielen mit anderen, haben Freundschaften, lachen, machen bei Gruppenspielen mit und wirken im Alltag ganz selbstverständlich als Teil der Gemeinschaft. Auf den ersten Blick würde niemand vermuten, dass ihnen etwas fehlt.

Und dennoch kann sich ein Kind mitten in dieser Gemeinschaft allein fühlen. Denn dazuzugehören und sich zugehörig zu fühlen, ist nicht dasselbe. Ein Kind kann erleben, dass andere es mögen, und zugleich das Gefühl haben, mit seinen Gedanken, Fragen oder Empfindungen nicht wirklich verstanden zu werden. Es kann sich anpassen, Themen zurückhalten oder feststellen, dass das, was es gerade begeistert, bei anderen Kindern wenig Resonanz findet. Nicht, weil es ausgegrenzt wird oder die anderen Kinder etwas falsch machen, sondern weil sich sein inneres Erleben nicht immer mit dem deckt, was im unmittelbaren Umfeld geteilt wird.

Gleichbehandlung ist nicht immer die passende Lösung

Dieses leise Anderssein ist für Erwachsene besonders schwer wahrzunehmen. Denn es zeigt sich nicht zwingend in Konflikten, Rückzug oder offensichtlicher Einsamkeit. Manchmal zeigt es sich gerade darin, wie gut ein Kind gelernt hat, sich einzufügen. Umso wichtiger ist es, nicht nur darauf zu achten, ob ein Kind seinen Platz in der Gruppe gefunden hat, sondern auch darauf, wie es sich an diesem Platz fühlt.

Individuelle Förderung bedeutet nicht, ein Kind zu bevorzugen. Sie bedeutet, Angebote so zu gestalten, dass unterschiedliche Kinder passende Zugänge und Herausforderungen finden. Dafür eignen sich besonders offene Angebote, bei denen Kinder verschiedene Rollen übernehmen und eigene Ideen entwickeln können. Bauen, Forschen, Gestalten oder das Erfinden einer Geschichte ermöglichen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, ohne diese ausdrücklich vorzugeben.

Zugehörigkeit und individuelle Förderung zusammendenken

Zugehörigkeit entsteht nicht dadurch, dass Unterschiede möglichst unsichtbar bleiben. Kinder erleben Gemeinschaft vielmehr dann, wenn sie sich mit ihren Fähigkeiten, Interessen und Eigenheiten einbringen können und zugleich erfahren, dass auch die Bedürfnisse der anderen zählen.

Hochbegabte Kinder müssen sich nicht zwischen Förderung und Zugehörigkeit entscheiden. Ein Kita-Alltag, der unterschiedliche Denkwege zulässt, passende Begegnungen ermöglicht und individuelle Anforderungen selbstverständlich berücksichtigt, kann beides miteinander verbinden.

Hochbegabung in der Kita erkennen

Die Kleine Füchse Raule-Stiftung unterstützt pädagogische Fachkräfte dabei, dieses Wissen aufzubauen. Für die Teilnahme an der begabungspädagogischen Online-Fortbildung kann ein Förderantrag gestellt werden.

Die Kleine Füchse Raule-Stiftung fördert bundesweit die Teilnahme an der dreitägigen Online-Fortbildung zur Begabungspädagogischen Fachkraft. Pädagogische Fachkräfte erhalten dort fundiertes Wissen, differenzierte Beobachtungshilfen und konkrete Ansätze für den Kita-Alltag. Ziel ist es, Verhalten sicher einordnen zu können und Kinder entsprechend ihren individuellen Voraussetzungen gezielt zu begleiten.


Die Fortbildung schließt mit einem Zertifikat ab und wird für bis zu drei Fachkräfte pro Einrichtung unterstützt.

Weitere Informationen finden Sie hier.