Wie aussagekräftig ist ein Intelligenztest?

Beratungssituation

Oft wird behauptet, dass IQ-Tests mit wirklich exakten und dauerhaft messbaren Ergebnissen erst ab dem 6. Lebensjahr möglich sind. Generell gilt aber: Je jünger das Kind ist, desto stärker können die Werte durch äußere Faktoren beeinflusst und somit verfälscht werden. Trotzdem kann ein erfahrener Psychologe mittels geeigneter Tests schon bei sehr viel jüngeren Kindern eine besondere Begabung oder Hochbegabung nachweisen. In sehr frühem Alter ist der Kaufmann-ABC der am häufigsten eingesetzte Test; er kommt ab einem Alter von zweieinhalb Jahren zum Einsatz. Ein weiterer Test ist der Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter (kurz HAWIVA-III). Es gibt natürlich viele Vorbehalte gegen Intelligenztests bei jüngeren Kindern. Dabei geht es bei Intelligenztests nicht nur darum, Hochbegabung zu erkennen, sondern auch darum, Hinweise für die gezielte Förderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen oder Unterforderung zu erhalten. Für die Bewertung eines IQ-Tests bei Kindern im Vorschulalter spielen neben dem aktuellen Entwicklungsstand außerdem Faktoren aus der Lebenswelt der Kinder eine Rolle, z.B. die Frage, ob ein Kind aus eigenem Interesse lernt oder von den Eltern dazu angehalten wird.

Welche Intelligenztests werden verwendet?

Die schon erwähnten Kaufmann-ABC (K-ABC) und HAWIK-IV (seit 2011 auch WISC-IV genannt) sowie HAWIVA-III, IDS, SON-R 2½-7, AID 2, CFT 1 und CFT 20R werden für die Hochbegabungsdiagnostik im Kindes- und Jugendalter  generell am häufigsten eingesetzt – in immer wieder aktualisierten Varianten. Für ältere Jugendliche und Erwachsene hat sich zudem der I-S-T 2000R bewährt. In der Begabungspsychologischen Beratungsstelle kommen natürlich auch non-verbale Tests zum Einsatz, d.h. Testverfahren, die Intelligenz auch bei nicht-muttersprachlichen oder einfach nur schüchternen Kindern messen können. Wichtig ist aber vor allem, dass der Test von einem Psychologen durchgeführt wird, der Erfahrung sowohl mit der Diagnostik von Hochbegabung als auch mit Kindern hat.

Warum soll ich mein Kind überhaupt testen lassen?

Ein Intelligenztest hat für die Eltern vor allem entlastende Funktion: Wenn er die Hochbegabung bestätigt, sind die besonderen Bedürfnisse des Kindes viel besser zu verstehen, seine Neugier, seine Ungeduld, seine ständige Aktivität. Und die Diagnostik nimmt Eltern die Angst, ihr Kind eventuell zu überfordern. Was er allerdings noch verändert, sind die Entscheidungen für den weiteren Lebensweg des Kindes: Gibt es Kitas oder Grundschulen, die auf die individuellen Bedürfnisse von Hochbegabten Rücksicht nehmen – und sie im Idealfall auch begabungsgerecht fördern?